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Ein Kreuzbandriss und seine Folgen

Rosi Würtz

Vor genau 9 Jahren, es war so um ca. 20.30 Uhr machte ich jenen Schritt, der mich für die darauffolgende Zeit mächtig aus der Bahn hauen sollte. Mein vorderes Kreuzband im linken Knie riss während ich versuchte, mittels Ausfallschritt an den gegnerischen Basketball zu kommen. Pustekuchen! Das Knie machte in gebeugter Stellung und fixiertem Fuß ein lautes Geräusch und noch während des theatralischen Sturzes auf den Turnhallenboden wusste ich: Das war nicht gut und wird wohl ein größerer Schaden sein.

Mitten in der Promotion an der Universität Bonn

Im April 2008 hatte ich mein Promotionstudium im Fachbereich Soziologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelmsuniversität gestartet. Voller Forscherdrang wollte ich ein medien- und sportsoziologisches Thema bearbeiten und meine zwei großen Leidenschaften – Sport und Medien – vereinigen. Ich wollte konzentriert an einem Thema arbeiten, das Menschen bewegt und von gesellschaftlicher Relevanz sein sollte, so mein Credo. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnted, war die Tatsache, dass mich eine sehr einsame Phase ohne den erhofften fachlichen Austausch erwarten würde.

Während der Endphase meiner Magisterzeit wurde für mich das Studieren und Forschen immer spannender. Anfangs studierte ich, weil mir vor allem mein Vater dazu geraten hatte, auf jeden Fall einen Universitätsabschluss zu machen. Naja, für den erfolgreichen Abschluss eines Studiums in der Regelstudienzeit ist dies nicht wirklich eine zielführende Motivationsspritze. Ich kann Studierenden heute nur wärmsten empfehlen, die ach so gehasste Sinnfrage, immer mal wieder (aber nicht unbedingt jeden Tag) zu beantworten. Warum studiere ich und welches Ziel verfolge ich im Kern mit dem Studium? Dem Elternhaus gefallen zu wollen, sollte nicht unbedingt das Hauptziel sein!

Suche nach Unterstützung

Aus heutiger Sicht kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich damals nicht zielorientiert gehandelt habe und zu wenig Mut hatte, mich und meine Wünsche zu äußern. Meine damalige Abteilung, in der ich als Wissenschaftliche Hilfskraft (WHK) und später dann auch als Wissenschaftliche Mitarbeiterin (WMA) angestellt war, orientierte sich thematisch und organisatorisch neu und entfernte sich somit immer mehr von meinem Kernobjekt der Medien- und Sportsoziologie. Insgeheim spürte ich, dass ich mir extern neue Impulse für meine Forschungsarbeit holen musste.

Zu dieser Zeit lag ein attraktives Angebot von einer früheren Bonner Kollegin vor, die nun als frisch gebackene Professorin an der Universität Salzburg startete. Medien- und Sportsoziologie pur winkten mir aus Österreich zu, aber ich konnte mich einfach nicht von Bonn trennen. Irgendetwas hielt mich hier und auch eine Reise nach Salzburg im April 2011 sollte daran nichts ändern, obwohl ich dort tatsächlich sofort hätte einsteigen können.

Bereits im Herbst 2009 hatte ich während eines Workshops für Nachwuchswissenschaftler der Sektion für Sport- und Körpersoziologie (Deutsche Gesellschaft für Soziologie) an der Deutschen Sporthochschule Köln frische Forscherluft geschnuppert. Dennoch habe ich mir aus irgendeinem Grund nicht eingestanden, dass ich auf dem Bonner Weg nicht wirklich weiterkommen würde.

Faden verloren

Aus heutiger Sicht habe ich damals step by step den Faden verloren und mich immer weiter verzettelt. Mit keiner klaren Zielvorstellung vor Augen schwirrte ich durch die Gegend und versuchte krampfhaft einen Sinn zu finden und meinen soziologischen Anker zu werfen. Vergeblich!

Die Krönung des Ganzen war eine misslungene Tätigkeit als Pressesprecherin eines regionalen Boxclubs, der sich langsam in undurchsichtige Machenschaften verstrickte und alteingesessene Mitglieder herausekelte. Das wollte ich alles nicht mehr, war sauer auf mich und alles um mich bis mich aus lauter Frust der sportliche Ehrgeiz komplett in seinen Bann riss und mein Kreuzband ebenfalls riss.

Das Jahr vor dem Kreuzbandriss war für mich toll, weil ich mich austoben konnte und wollte. So hatte ich zusammen mit Dr. Kornelia Hahn zwei spannende Projekte aus dem Themenbereich der “Visuellen Soziologie” ins Leben gerufen und “unsere” Studierenden machten fleißig mit und sammelten Daten. Auch der WDR und andere Medien wurden auf unsere Forschungsprojekte aufmerksam. Aber hierzu an anderer Stelle mehr. Nichtsdestotrotz konnte und sollte es so für mich nicht weitergehen!